Redebeitrag zur Kundgebung „Männertag abschaffen – Kundgebung gegen Sexismus und patriarchale Gewalt“. Gehalten am 14.05.2026 in Dresden (Japanisches Palais)
Dresden: Eine Gruppe läuft mit lauter Musik und NS-verherrlichenden Rufen in Richtung Alaunpark. Bautzen: Dreizehn Deutsche Männer greifen drei afghanische Jugendliche an. Sächsische Schweiz: An der Bastei wird am Nachmittag ein jüdisches Ehepaar durch eine Gruppe von fünf Männern mit „Sieg Heil“ begrüßt. Rathen: Eine Gruppe von Männern aus dem Umfeld der neonazistischen Kampfsportszene in Wurzen beleidigt eine Zugbegleiterin und weitere Fahrgäste einer S-Bahn und greift sie schließlich unvermittelt an. Durch den Angriff, bei dem die Täter auch Glasflaschen und Biergläser einsetzen, werden mehrere Personen teils erheblich verletzt. Pfaffendorf: Die Polizei geht einem Hinweis auf ruhestörenden Lärm nach. Am Einsatzort entpuppt sich die Situation als Party von Neonazis. Die Beamten werden unvermittelt von 20 bis 25 Personen mit Gläsern und weiteren Gegenständen beworfen. Unter „Sieg Heil“ Rufen bedrohen sie die Polizisten mit Holzlatten und Stahlrohren.
Diese Liste an Vorfällen gehört zur Bilanz eines Tages: Einem freien Donnerstag im Mai, der hier in der Gegend als sogenannter Männertag begangen wird. Wohlgemerkt ist es die Bilanz nur eines Tages und zwar dem Männertag aus dem Jahr 2020. Und es sind auch nur die Vorfälle, die den Weg in die Presse gefunden haben. In anderen Jahren ist es oft ähnlich – und das schon seit vielen Jahren beziehungsweise seit Jahrzehnten. Nur selten hat es so sehr geregnet, dass der Männertag ins Wasser gefallen ist. Viel zu oft war blendendes Ausflugswetter und entsprechend lang sind die Listen mit den Vorfällen. Das Muster ist dabei oft dasselbe: Männergruppen, meist solche mit neonazistischer Überzeugung, fühlen sich an diesem Tag besonders ermutigt, der Grütze in ihren Köpfen freien Lauf zu lassen. Gruppendynamik, Sonne und Alkohol senken die Hemmschwelle. In der Masse mit vermeintlich Gleichgesinnten fühlt man sich mutig und sucht nach Gelegenheiten, um das eigene Ego zu streicheln. Das Resultat ist in vielen Fällen Gewalt. Sie richtet sich gegen die bekannten Feindbilder. Sie ist mal rassistisch, mal antisemitisch, mal anti-links. Sie ist gegen die gerichtet, die diesem Stumpfsinn nicht tatenlos zu sehen wollen. Oder einfach zufällig in der Nähe sind. Sie hinterlässt Verletzungen, Narben und Leid.
Dieses Muster prägt diesen Tag schon viel zu lange. Wir sind zuversichtlich, dass es nicht so bleibt: Wir haben keinen Bock auf No-Go-Areas: Weder auf nationale, noch auf patriarchale. Wir haben keinen Bock auf überkommene Traditionen, die darauf abzielen andere Menschen abzuwerten. Wir haben keinen Bock auf irre Bräuche, die das „Nach-unten-treten“ rechtfertigen. Wir haben Bock auf einen freien Tag – aber eben keinen, in dem mehr als die Hälfte der Gesellschaft dreimal überlegen muss, ob sie sich überhaupt vor die Tür trauen kann. Es ist an der Zeit, so einen Scheißtag nicht länger hinzunehmen.
Männertag muss sterben, damit wir leben können.