Dresdner Nazis beim Länderspiel in Prag

Am 1. September fand in Prag das WM-Qualifikations-Spiel zwischen Tschechien und Deutschland in statt. Etwa 200 Personen sollen sich über den freien Verkauf Tickets für das Spiel gekauft haben und bildeten einen eigenen Block. Aus diesem Block kam es über das gesamte Spiel zu rechten Ausfällen. Während aus dem offiziellen Block der Fans der DFB-Elf das Wort „Sieg“ gerufen wurde, antworte der Block mit „Heil“. Während einer Schweigeminute für verstorbene Funktionäre des tschechischen Fußballverbandes riefen Personen aus dem Block „Scheiß DFB“ und „Fußballmafia DFB“. Während der Nationalhymnen wurde gepöbelt und u.a. Mesut Özil und Timo Werner beschimpft. So wurde bspw. “Özil abschieben, Ausländer raus!“ gerufen.

1 – Felix Richter, 2 – Ferenc Achtnichts, 3 – Thomas Kirsch, 4 – Paul Wollberg, 5 – Paul Oehme, 6 – Steven „West“, 7 – Paul Feldmann

Eine zentrale Rolle bei den Pöbeleien spielten Nazis aus der Fanszene von Dynamo Dresden. Hinter einer kleinen Zaunfahne mit der Aufschrift „Deutschland Dynamo“ sammelten sich mindestens ein Dutzend bekannte Nazis. Darunter etwa Personen aus dem Umfeld der wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagten Fangruppierung „Faust des Ostens“ (FdO) und mutmaßliche Angreifer vom 11. Januar 2016 in Leipzig-Connewitz. Brisant ist auch die Nähe von Personen zur „Freien Kameradschaft Dresden“ (FKD). Involviert in die Vorfälle waren Steven „West“ und Thomas Kirsch. „West“ war Ende Juli 2015 in Freital mit einer Gruppe Nazis aus dem Umfeld der FKD unterwegs, um eine antifaschistische Demonstration anzugreifen. Kirsch arbeitete zusammen mit Philipp Bachmann an der Erstaufnahmeeinrichtung in Heidenau als Security für den Sicherheitsdienst Fuchs. Die Sicherheitsfirma wurde 2012 im Rahmen der Ermittlungen gegen FdO durchsucht. Mit Paul Wollberg und Paul Feldmann waren in der Dresdner Gruppe zwei mutmaßliche Angreifer vom 11. Januar 2016 in Leipzig-Connewitz zu sehen. Ergänzt wird das Bild durch Ferenc Achtnichts – Ex-FdO und Gründer der Hooligangruppe „Army of Dresden West“ – zu der auch Steven „West“ und Thomas Kirsch zählen.

Steven „West“ (dritte Person von rechts) beim versuchten Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Freital (Quelle: flickr.com/photos/lukasbeyer/20073776990)
Nazis bei der Fußballeuropameisterschaft in Lille 2016: Paul Oehme (rechts unten an der Fahne), Felix Richter (zweiter von rechts, weißes Shirt)

Felix Richter und Paul Oehme, die auch in Prag dabei waren, zeigten schon letztes Jahr ganz offen ihre Gesinnung bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. So posierten sie und andere Nazis aus dem Umfeld der Fanszene von Dynamo Dresden mit einer Reichskriegsflagge, Kleidung a la „Deutschland Dynamo“ und „Sachsenkrieger“ in Lille. Am gleichen Tag griffen etwa 50 deutsche Hooligans ukrainische Fussballfans mit Flaschen, Dosen, Stühlen und Rauchbomben an und verletzten mehrere Personen.

Es ist keineswegs neu, dass diese Nazis sowohl Länderspiele, als auch Spiele von Dynamo Dresden besuchen. Die Dreistigkeit mit der sie nationalsozialistische und rassistische Parolen gröhlen, während zehntausende Menschen und dutzende Kameras das Spiel verfolgen, zeigt, dass sie sich in ihrem Tun sehr sicher fühlen. Verwunderlich ist das nicht: Die sächsische Justiz verschleppt seit Jahren das Verfahren gegen die FdO. Das sogenannte Kistenverfahren gegen die rechte Hooligangruppe wartet seit nun mehr fünf Jahren auf eine Eröffnung am Landgericht. Die mutmaßlichen Täter und deren Umfeld unterdessen greifen weiterhin Flüchtlinge, Linke und Andersdenkende an und tragen unverhohlen ihr Weltbild in Stadien.

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