Kinderunterhaltung, Sport und Rechtsrock

In Zusammenarbeit mit dem Recherche Team Bautzen.

Am Samstag (15.09.2018) findet das „3. Ostsächsische Sport- und Familienfest“ im Landkreis Görlitz statt. Im vergangenen Jahr fand das „Fest“ im Hotel „Neißeblick“ in Ostritz statt und endete mit einem Rechtsrockkonzert im nahegelegenen Hagenwerder. Auch in diesem Jahr soll die nicht öffentliche Veranstaltung mit einem Konzert „abgerundet“ werden.

Mit einem Flyer in nationalsozialistischer Optik wirbt der NPD-Aktivist aus Niedersachsen, Gianluca Bruno, für das „3. Ostsächsische Sport- und Familienfest“ auf Facebook. Beginnen soll es am Samstag ab 10 Uhr und wirbt mit „spannenden Wettkämpfen“, „Kinderunterhaltung“ und „Speis und Trank“. Zuletzt war Bruno als Ansprechpartner für Pressevertreter*innen beim neonazistischen „Eichsfeldtag“ unterwegs. Ende April war er zusammen mit einem weiteren Nazi für einen Angriff auf zwei JournalistInnen verantwortlich, die den Wohnort von Thorsten Heise in Fretterode fotografieren wollten.

Beim angekündigten Konzert sollen die neonazistischen Bands „Überzeugungstäter Vogtland“ (PC Records, OPOS Records), „Old Firm“ (OPOS Records), „Burning Hate“ (OPOS Records) und der Liedermacher „FieL“ (Fremd im eigenen Land) auftreten. Das Design des Flyers übernahm „Balaclava Graphics“ um den Bautzener Nazi Benjamin Moses (ehemals Stream-BZ). Die Zahl der OPOS-Records-Bands verwundert nicht: Sebastian Raack, Besitzer von OPOS Records im südbrandenburgischen Lindenau nahm im vergangenen Jahr selbst am Sportfest teil. Teil des OPOS-Recordsteam war u.a. Michael Lorenz. Raack und Lorenz sind Teil des mittlerweile verbotenen Blood & Honour-Netzwerks gewesen. Raack war Postfachinhaber der B&H-Sektion Süd-Brandenburg, Lorenz der B&H-Sektionsleiter in Sachsen bis zum Verbot im Jahr 2000. Zur Erinnerung: Die B&H-Ideologie bereitete den Boden für den NSU-Terror, eine Abspaltung der sächsischen B&H-Sektion untersützte das NSU-Kerntrio tatkräftig auf ihrem Weg in den Untergrund.

Sebastian Raack (hintere Reihe, Mitte), Michael Lorenz (vordere Reihe, links)

Die Vermutung liegt nahe, dass das „Sportfest“ wie im vergangenem Jahr im „Hotel Neißeblick“ in Ostritz stattfindet. Der Besitzer Hans-Peter Fischer hatte bereits zum „Schild & Schwert Festival“ im April angekündigt das Objekt des Öfteren zur Verfügung zu stellen. Im Juli fand bereits ein Nazikonzert statt und schon jetzt sind zwei weitere Veranstaltungen in dem Hotel geplant. So soll am 13. Oktober 2018 das neonazistische Kampfsportevent „Kampf der Nibelungen“ ausgetragen werden und am 02./03. November das nächste „Schild & Schwert Festival“ stattfinden. Zu beiden Terminen ist mit einer bundesweiten Anreise hunderter Neonazis zu rechen. Damit etabliert sich das Hotel als fester Bestandteil in der neonazistischen Musik- und Kulturlandschaft. Eine Landschaft die gerade in Ostsachsen und Südbrandenburg stetig wächst.

Die erste Ausgabe des „Ostsächsischen Sportfests“ im September 2016 fand noch im „Niederschlesischen Feriendorf“ am Quitzdorfer Stausee statt, dass von Malte Redeker betrieben wird. Damals trainierten dort Kinder und Jugendliche den Umgang mit mutmaßlich Luftdruckgewehren.

Siehe auch: Rechtsextremes Sportmeeting in Sachsen (Blick nach Rechts)

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on Tumblr