Burschis im Souterrain

Seit zweieinhalb Jahren unterhält die Burschenschaft Arminia zu Leipzig einen Ableger in Dresden. Sitz der „Konstante“ ist ein Mietshaus in der Kesselsdorfer Straße 55 in Dresden-Löbtau. Dort werden in zwei Wohnungen Zimmer für Studierende, ein Fechtraum, sowie im Keller ein Veranstaltungsraum für ca. 35 Personen bereitgestellt.

Der Dresdner Ableger der Leipziger Burschenschaft wurde 2016 gegründet. Zuvor waren viele der heutigen „Arminen“ bei der Dresdner Burschenschaft Cheruscia aktiv. Nach einem Streit aus unbekanntem Grund, wurden sie 2014 von den „Alten Herren“ der Burschenschaft aus den Räumlichkeiten in der Eisenstuckstraße rausgeworfen. Nach einer Zeit ohne eigene Räume wechselten die ehemaligen Cheruscia-„Aktivitas“ unter die Farben der pflichtschlagenden Arminia zu Leipzig und bezogen im April 2016 die Räume in Dresden-Löbtau.

Die Arminia zu Leipzig und ihr Dresdner Ableger sind Teil des rechtsnationalen und völkischen Dachverbands Deutsche Burschenschaft (DB), in dem 2012 die Einführung eines „Ariernachweises“ für Mitglieder gefordert wurde. Der Chef des völkischen Lobbynetzwerks Ein Prozent e.V. Philip Stein ist derzeit auch Sprecher der DB. Er betonte in einer ARD-Dokumentation unlängst erneut: „Die Mitgliedschaft in der Burschenschaft ist nicht nur eine Frage des Passes, sondern auch des Blutes.“ (ab 20:45min)

Yannick Pochert (1.v.r.), Sören Oltersdorf (3.v.r.) und Matthias Scholz (4.v.r.) bei einer Sauf-Veranstaltung im Keller der Kesselsdorfer Straße 55

Prominente Mitglieder des Dresdner Ablegers der Burschenschaft sind etwa IB Dresden-Aktivist Yannick Pochert und der ehemalige Landesvorsitzende der Jungen Alternative (JA) Matthias Scholz. Scholz, Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, hat Ende September 2018 seine Parteiämter niedergelegt, weil er am 11. August 2018 in einer Kneipe in der Dresdner Neustadt eine Person rassistisch beleidigt haben soll und mit seinen Begleitern rechte Parolen skandierte. Zur Riege der „Alten Herren“ gehört der Dresdner AfD-Stadtrat Gordon Engler, der AfDler Martin Winterboer und der Chemnitzer Rechtsanwalt Martin Kohlmann. Der sitzt für die rechtsnationale „Bürgervereinigung“ Pro Chemnitz im Stadtrat und meldet seit Jahren rassistische und nationalistische Versammlungen an. Derzeit ist er eine treibende Kraft hinter einer rechten Protestserie in Chemnitz, die von Beginn an Ausgangspunkt rechtsmotivierter Gewalttaten war und ist.

Der „von allen Parteiämtern“ zurückgetretene Burschenschaftler Matthias Scholz hält auf dem AfD-Parteitag in Magdeburg eine JA-Flagge. Daneben: der Lügner Maximilian Krah, sächsischer Spitzenkandidat zur Europawahl.

Die Arminia-Burschen beteiligten sich in der Vergangenheit regelmäßig an Kranzniederlegungen anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945. Im Februar diesen Jahres trat man gemeinsam mit der AfD auf dem Heidefriedhof auf. Zum sogenannten Volkstrauertag 2017 legten die Burschenschafter zusammen mit Vertretern der Burschenschaft Salamandria Kränze vor einer Soldatenstatue auf dem Neuen Annenfriedhof nieder. Darüberhinaus organisiert die Burschenschaft immer wieder Veranstaltungen: Am 26. April 2017 war der „Alte Herr“ Martin Kohlmann eingeladen, um über „Politische Justiz anhand der ‚Gruppe Freital'“ zu referieren. Kohlmann vertrat im Prozess gegen die „Gruppe Freital“ einen der verurteilten Rechtsterroristen. Weitere Veranstaltungen gab es mit dem AfD-Bundesgeschäftsführer Hans-Holger Malcomeß, sowie den AfD-Politikern André Wendt, Detlev Spangenberg und Jörg Urban.

Wie auch die Burschenschaft Salamandria ist die Burschenschaft Arminia zu Leipzig eng mit der rechten Szene Dresdens verwoben. Über die Burschenschaften sollen neue Personen rekrutiert werden und als politische Kader aufgebaut werden. In den vergangenen Jahren haben sich beide Burschenschaften zu Hotspots der (neu-)rechten Szene entwickelt. Auffällig ist, dass die Burschenschaften trotz ihrer zentralen Rolle als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Szene- und Parteiakteuren staatlich gänzlich unbehelligt bleiben. Beredtes Schweigen herrscht dazu etwa auf Seiten des sogenannten Verfassungsschutzes. Ob das bloß Zufall ist, steht auf einem anderen Blatt: Immerhin ist der Präsident des VS Sachsen Gordian Meyer-Plath selbst „Alter Herr“ einer Burschenschaft.

Ein Zufall kommt jedenfalls selten allein: Die Arminia teilt sich das Objekt auf der Kesselsdorfer Straße mit einem Wahlkreisbüro. Es gehört dem CDU-Landtagsabgeordneten Lars Rohwer, der in dieser Legislatur den Vorsitz im NSU-Untersuchungsausschuss inne hat.

Wer zum Thema Burschenschaften in Dresden mehr wissen will, dem seien die lesenswerten Publikationen des Stura Dresden ans Herz gelegt:

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