Unruhe im Hochland: Junge Neonazi-Kameradschaft mit Verbindungen in die Lokalpolitik

Die Lokalpresse berichtete ausführlich und auch MDR und ARD sendeten bereits Berichte: Rechte Schmierereien und Sticker im Schönfelder Hochland, Bedrohungen von Lokalpolitiker*innen, Menschen der kritischen Zivilgesellschaft und deren Kinder bis hin zu manipulierten Bremsscheiben eines Vereinsbusses. All dies führte dazu, dass im Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig über den Umgang und die Verurteilung der selbsternannten Hochlandjugend abgestimmt werden sollte. Doch die Lokalpolitiker*innen rechts der CDU, inklusive der Ortschaftsratsvorsitzenden, schafften es nicht das Problem mit den Neonazis klar zu bennnen, nein, sie halten teils sogar schützend ihre Hände über die Kameradschaft.

Seit spätestens Anfang 2021 gibt es wieder vermehrt Berichte über rechte Umtriebe im Schönfelder Hochland. So wurde von rechten Schmierereien, Stickern und verbalen Ausfällen junger Rechter berichtet. Im Januar 2021 wurden bereits in Schullwitz Mobiflyer für den neonazistischen „Trauermarsch“ in Dresden verteilt. Im Frühjahr 2024 mehrten sich dann die Berichte über eine größere Gruppe junger Rechter, die sich am Wochenende am Ullersdorfer Platz traf, sich betrank und Stress suchte. Zudem tauchten regelmäßig rechte Schmierereien und Sticker auf – vor allem rund um die St.-Michaelskirche sowie das Gymnasium in Dresden-Bühlau. Nicht-rechte Anwohner*innen, Lokalpolitiker*innen und Menschen der Bühlauer Zivilgesellschaft berichteten von persönlichen Anfeindungen und Bedrohungen, auch gegenüber von Kindern.

In der Vergangenheit war das Schönfelder Hochland immer mal wieder Schauplatz neonazistischer Aktivitäten. So fand am 5. August 2006 das „Deutsche Stimme Pressefest“ der NPD in Pappritz statt. Zwei Jahre später sollte am selben Ort der Sachsentag der Jungen Nationaldemokraten (JN) stattfinden, welcher allerdings verboten wurde. Auch wohnte der ehemalige stellvertretende Kreisvorsitzende der NPD Dresden, Paul Lindner, in Schönfeld-Weißig, war dort aktiv und rekrutierte in den 2000ern junge Neonazis.

Gruppe junger Neonazis aus dem Hochland mit T-Shirts von Paul Lindner (2009). Quelle: privat

Die Hochlandjugend tritt auf den Plan

Der erste dokumentierte Auftritt der Hochlandjugend fand sich auf Instagram Anfang Mai 2025. Ein Bild, welches der Account „Knastlex“ postete und hinter dem sich der junge Neonazi Alexander Thieme verbirgt, zeigt ein Trio in Hochlandjugend-Shirts und dahinter eine Schwarze Sonne. Aufgenommen wurde es am Gymnasium in Dresden-Bühlau. Nur wenig weiter liegt der sogenannten „Knick“, ein kleines Wäldchen zwischen Oppacher Straße und Loschwitzbach, das im Frühjahr und Sommer 2025 der regelmäßige Treffpunkt der Neonazigruppe war. Davor traf man sich unter anderem in einem leerstehenden Gasthof in der Straße des Friedens 56, am Ortsrand von Dresden-Pappritz. Im Laufe des Jahres 2024 wurde da aber nach Jahren der Strom abgestellt, vermutlich deswegen wurde das Objekt als Treffpunkt unattraktiv. Ein weiterer Treffpunkt ist der Spielplatz am Zachengrundring Ost in Dresden-Gönnsdorf. Bis heute ist die Gruppe verlässlich am Ullersdorfer Platz in Dresden-Bühlau anzutreffen.

Die Hochlandjugend auf der Demo gegen den CSD in Bautzen 2025. v.l.n.r.: Franz Hübner, NN1, Kevin Ahrens, Tim (oben), Tobias Riedel, Alexander Thieme. Quelle: Pixelarchiv

Die Gruppe beteiligt sich an rechten und neonazistischen Mobilisierung in Dresden und der Region. Erstmals öffentlich wahrnehmbar trat sie am 10. August 2025 in einheitlichen Hochlandjugend-Shirts auf der Neonazidemo gegen den Christopher Street Day (CSD) in Bautzen auf. Die Shirts der selbsternannten Hochlandjugend lassen keinen Zweifel an ihrer Ideologie. Schon die Abkürzung des Gruppennamens sucht den Bezug zum historischen Vorbild. Der Druck auf dem schwarzen Shirt zeigt eine Schwarze Sonne, das pseudomythologische Phantasieprodukt der SS, sowie Hammer und Schwert gekreuzt, ein Symbol das ab 1929 das sogenannte Gaufeldabzeichen der Hitlerjugend war. Daneben prangt die Silouette des Dresdner Fernsehturms. 2026 lief die Hochlandjugend beim alljährlichen „Trauermarsch“ mit. Immer wieder beteiligt sie sich an den rassistischen „Montagsspaziergängen“ in Dresden-Bühlau oder an Mobilisierungen der Freien Sachsen, etwa am 23. Februar 2026 anlässlich des Todes des französischen Neonazis Quentin Derangue.

Die Hochlandjugend beim „Trauermarsch“ am 14.02.2026 in Dresden. v.l.n.r.: Franz Hübner, Tim, Marcus Reichel, Lynn, Oskar Lemberg, Tobias Riedel. Quelle: VersaRed

War die Gruppe lange nur durch das Kleben selbst gestalteter Sticker wahrnehmbar, wandte sich die Hochlandjugend am ersten Februarwochenende 2026 erstmals im größeren Stil an die Öffentlichkeit und verteilte Flyer mit rassistischem Inhalt in Briefkästen und an Windschutzscheiben parkender Autos in Dresden-Pappritz und Gönnsdorf. Vor allem im Umfeld der Geflüchtetenunterkunft in Pappritz wurde intensiv geflyert. Im selben Zeitraum wurde im Schönfelder Hochland großflächig für die neonazistische Demonstration zum 13. Februar in Dresden plakatiert. Mindestens in Gönnsdorf, Pappritz und Schönfeld wurden Haltestellen, Einkaufsmärkte und andere Flächen mit entsprechenden Plakaten beklebt.

Wer ist die Hochlandjugend

Dem jetzigen Kenntnisstand nach, umfasst der Kern der Gruppe etwa 12 Personen, die um die zwanzig Jahre alt sind und sich räumlich mindestens über Bühlau, Weißig, Loschwitz, Pappritz, Eschdorf und Schönfeld-Weißig verteilen. Die Gruppe verfügt über regelmäßige Kontakte auf die andere Elbseite, dort auch zu älteren und erfahrenen Neonazis. Zum Kern der Hochlandjugend zählen neben Franz Hübner und Alexander Thieme, Tim, Kevin Ahrens und seine Freundin, Richard, Hans, Oskar Lemberg und seine Freundin Lynn, Marcus Reichel und Tobias Riedel. Zudem soll auch Felix Schreiter eine Rolle in diesem sozialen Zusammenhang spielen.

KI generierter Flyer der Hochlandjugend.

Tonangebend sollen Tim, Kevin Ahrens und Alexander Thieme sein. Tim, wohnhaft in Weißig, absolviert aktuell eine Lehre zum Maler und zeigt in der Öffentlichkeit gern mal den Hitlergruß. Er ist seit mindestens August 2024 regelmäßiger Demogänger. Das gilt auch für Kevin Ahrens, der seit August 2024 regelmäßig auf rechten Demonstrationen auftaucht, oft in Begleitung seiner Freundin. Sein (Stief-)Vater Gunter kann vorweisen, dass ihm der Pegida-Gründer Lutz Bachmann bei Instagram folgt. Alexander Thieme, wohnhaft in Dresden-Bühlau, beteiligte sich am 15. April 2024 an der Mobilisierung der JN/„Elblandrevolte“ zu einer Neonazidemonstration nach Bautzen. Auf der An- und Abreise kam es in der Regionalbahn zu Angriffen auf nicht-rechte Personen. Einer der Tatverdächtigen war ein damals 17-jähriger Alexander T. – nicht bestätigt ist, dass es sich dabei um Alexander Thieme handelte. Bei zwei Hausdurchsuchungen im Nachgang in Dresden-Niederpoyritz und Dresden-Bühlau wurden drei Schreckschusswaffen samt Munition und vier in Fahndung stehende amtliche Kennzeichen sichergestellt. Thieme selbst postete im Dezember 2025 ein Foto, das ihn vor dem Schloss Schönfeld im Einsatz für das Sicherheitsunternehmen „Securitas“ zeigt. Entstanden ist das Bild vermutlich auf dem dortigen Weihnachtsmarkt. Der Schlossteich stellt ebenfalls einen beliebten Treffpunkt der Hochlandjugend dar. Ebenso wie die Privatadresse von Alexander Thieme. Diese soll als eine Art Zentrale dienen, in der man sich trifft um Propagandamaterial und gemeinsame Aktionen zu planen.

Die Elblandrevolte mit Unterstützung der Hochlandjugend bei einem Mobshot vor der Chemiefabrik 2024. Quelle: Instagram

Ein weiterer Name, der laut Presse im Kontext der Angriffe in der Regionalbahn am 15. April 2024 festgestellt wurde, ist Tobias R. Hierbei handelt es sich um Tobias Riedel, der zum damaligen Zeitpunkt in der Radeberger Vorstadt wohnte. Das Verfahren gegen ihn wurde mittlerweile eingestellt. Tobias Riedel ist regelmäßig auf Nazidemonstrationen anzutreffen. Der Maurer in Ausbildung, der auch in der Sächsischen Schweiz klettern geht, pflegt gute Kontakte auf die andere Elbseite. So verbrachte er Himmelfahrt 2025 unter anderem mit Quentin Marco Jentzsch, Tobias Niedworok und Max Zschech in der Dresdener Heide. Mit Niedworok und Zschech ist er des öfteren auf Demonstrationen anzutreffen, etwa am 15. April 2024 in Bautzen und dieses Jahr zum neonazistischen „Trauermarsch“ in Dresden. Zusammen mit Alexander Thieme und Franz Hübner nahm Riedel an der 1. Mai-Kundgebung der AfD 2024 auf dem Dresdner Neumarkt teil. Danach zog man gemeinsam mit der damaligen Führungsriege der JN/„Elblandrevolte“ um Finley Pügner, Alexander Weigelt und Kurt Altrichter, sowie den zuvor erwähnten Quentin Jentzsch und Tobias Niedworok zur Chemiefabrik. Dort wurde dann mit einem Banner der Elblandrevolte gepost und Böller auf das Gelände der Chemiefabrik geworfen. Nur zwei Tage später, am Abend des 3. Mai 2024, soll Riedel zusammen mit Jentzsch am Angriff auf SPD-Politiker Matthias Ecke und ein Plakatierteam der Grünen beteiligt gewesen sein. Trotz großer medialer Aufmerksamkeit und bekannter Tatverdächtiger steht das Gerichtsverfahren wegen des Angriffs nach wie vor aus.

Oskar Lemberg (links) und Marcus Reichel (rechts). Quelle: Instagram
Tobias Riedel (links) und Quentin Marco Jentzsch (mitte liegend) am „Männertag“ in der Dresdner Heide. Quelle: Instagram

Weitere Mitglieder der Hochlandjugend sind Oskar Lemberg und Marcus Reichel. Lemberg, der in Schönfeld-Weißig wohnt, absolviert aktuell seine Ausbildung bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und ist regelmäßig auf Nazidemonstrationen anzutreffen, auch mit seiner Freundin Lynn, welche Cheerleaderin beim Lunatics Cheerleader e.V. ist. Im Zusammenhang mit Oskar Lemberg tritt auch immer wieder Marcus Reichel auf. Dieser besucht nicht nur gern Nazidemonstrationen sondern fährt für den ESV Dresden e.V. Mountainbike.

Franz Hübner (markiert) beim „Trauermarsch“ am 13.02.2021 in Dresden. Quelle: Recherche Nord

Ein weiteres umtriebiges Mitglied der Hochlandjugend ist Franz Hübner aus Eschdorf. 2021 trat er prominent am „Vergesst Dresden nicht!“-Transparent auf dem 13.Februar-Aufmarsch auf. Seit dem ist er regelmäßig dort anzutreffen. Im April 2021 ist er Teil einer Demonstration der „Jungen Nationalisten“ in Dresden. Am 1. Mai 2022 war er Teil einer Neonazigruppe, die in Glauchau Antifaschist*innen in einem Zug nach Zwickau attackierte. Am 18. Januar 2025 wurde auf dem Gelände der SG Schönfeld ein Neonazikonzert mit den Bands Intifada, Volksnah, Storm of Mind und Legion S von der Polizei aufgelöst. Die Räumlichkeiten wurden unter dem Vorwand einer Geburtstagsfeier von Hübner angemietet. Bis zu 90 Personen waren bei Eintreffen der Polizei zugegen, darunter der Kader der Freien Sachsen Stefan Trautmann, sowie Tobias Riedel.

Man kennt sich im Hochland

Eine besonders pikante Verstrickung ist, dass viele Mitglieder der Gruppe mindestens via Social Media Verbindungen zu Manuela Schreiter haben. Manuela Schreiter, die Mutter von oben erwähntem Felix Schreiter und ehemals Lokalpolitikerin der CDU, ist aktuell Vorsitzende des Ortschaftsrates Schönfeld-Weißig. Sie sitzt dort für die Wählervereinigung „Wir für’s Hochland“ [sic!] und fällt laut Zeug*innen regelmäßig negativ auf – in Form und Inhalt. Sie ist außerdem Schatzmeisterin bei der Bürgervereinigung Schullwitz e.V.

Felix Schreiter (markiert) lächend mit Hitlergruss. Quelle: Instagram

Als am 13. April 2026 die Hochlandjugend bestimmendes Thema der Ortschaftsratssitzung war, gab sie sich ahnungslos und versuchte die rechten Umtriebe im Hochland zu bagatellisieren. Hochlandjugend sei eine „Selbstbezeichnung von unbekannt“, Polizei und Verfassungsschutz hätten keinerlei Informationen diesbezüglich und es gäbe auch keine Internetpräsenz. An der Unwissenheit der Ortsvorsteherin muss allerdings gezweifelt werden: So soll das Wohnhaus der Familie Schreiter, gleichzeitig Adresse der Wählervereinigung „Wir für’s Hochland, häufig als Treffpunkt für die Gruppe junger Neonazis herhalten. In einer der Garagen hängt nach Informationen des MDR eine Reichsflagge über der Werkbank. Dazu passend kursiert ein Foto, das Felix Schreiter, den Sohn der Ortsvorsteherin, in großer Runde zeigt, die Hand zum Hitlergruß ausgestreckt. Zumindest Teile der heutigen Hochlandjugend sind interessiert an dem, was Manuela Schreiter auf SocialMedia verkündet und folgen ihrem Profil.

Auch der AfD-Ortschaftsrat Lars Günsel dürfte über die Hochlandjugend nicht überrascht sein. Er betreibt das „Günsel’s Bistro & Restaurant“ [sic!] im Hochland-Center Weißig, in welchem sich die Hochlandjugend gern auf eine Pommes trifft. Und er organisiert das montägliche Pegida-Überbleibsel „Bühlau spaziert“. Der rassistische Auflauf wurde bereits mehrfach von der Hochlandjugend besucht. Dass bei einer kontinuierlichen Teilnerhmer*innenzahl im unteren zweistelligen Bereich meist betagterer Wutbürger*innen, eine knapp zehnköpfige Gruppe junger Neonazis im Black-Block-Style, teils vermummt, nicht auffällt, ist eher unwahrscheinlich. Gegenüber dem MDR gab Ralf Günsel an, dass er davon nichts wüsste und seine Veranstaltungen „nichts mit Extremismus zu tun“ hätten. Günsels Urteil ist in diesen Fragen jedoch wenig vertrauenswürdig: Trotz angeblich existenten Unvereinbarkeitsbeschluss zeigte sich AfD-Politiker Günsel in der Vergangenheit mit der Fahne der Freien Sachsen auf Demonstrationen.

Lars Günsel (AfD) mit Fahne der „Freien Sachsen“ am 08.01.2024 in Dresden. Quelle: Recherche Nord

Im Kontext der Hochlandjugend taucht ein weiteres bekanntes Gesicht auf: Max Wasner von der Neonazipartei „Der Dritte Weg“. Der Neonazi aus Dresden-Bühlau, genauer Quohren, zeigte sich am 8. März 2025 zusammen mit einem Teil der Kerngruppe der Hochlandjugend auf einem Unterstand am alten Bahndamm in Dresden-Cunnersdorf.

Max Wasner (mittig unten) mit dem Kern der Hochlandjugend in Cunnersdorf. Tobias Riedel (links), Tim (mittig über Wasner), Alexander Thieme (mittig oben), Oskar Lemberg (rechts), Marcus Reichel (rechts oben). Quelle: Instagram

Fazit

Die Hochlandjugend ist ein weiterer Organisierungsversuch junger Neonazis in Dresden. Mit dem Aufkommen der Elblandrevolte Anfang 2024 trat auch der Personenzusammenhang aus dem Hochland öffentlich wahrnehmbar in Erscheinung. Doch während die Elblandrevolte von Anfang an die Öffentlichkeit suchte und von dieser dann auch hochgejazzt wurde, flog die Hochlandjugend lange Zeit unter dem Radar. Dabei existieren viele Schnittpunkte und gegenseitige Kennverhältnisse: Die selben Demonstrationen, die selben Aktionen, dazu die ausgeprägte Gewaltaffinität und die Naziideologie, im Hintergrund die üblichen Stichwortgeber*innen von Freien Sachsen, Drittem Weg und AfD. Während die Elblandrevolte den Fokus auf bundesweite und überregionale Organisierung lenkte, agiert die Hochlandjugend lokaler: Sie terrorisiert lieber das nähere Umfeld. Das allerdings bleibt nicht mehr unwidersprochen. Die Debatte im Ortschaftsrat und die Berichterstattung zur Hochlandjugend und ihren Aktivitäten haben zuletzt das Engagement einiger Anwohner*innen des Schönfelder Hochlandes geweckt. Obwohl sich im Ortschaftsrat keine Mehrheit für einen aktiven Umgang mit der Neonanzikameradschaft fand, findet sich diese nun vielleicht unter den Bürger*innen Vorort.